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Wofür ich arbeite



Als Professor für Neurobiologe arbeite ich in der Neurobiologischen Präventionsforschung der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Wissenschaftlich befasse ich mich u. a. mit den Wirkungsmechanismen von Psychopharmaka, mit dem Einfluss früher Erfahrungen auf die Hirnentwicklung, mit den Auswirkungen von Angst und Stress und der Bedeutung emotionaler Reaktionen bei Lernprozessen und der neurobiologischen Verankerung von Erfahrungen.


Worum ich mich bemühe

In der vielfältigen Öffentlichkeitsarbeit die ich betreibe, bemühe ich mich vor allem um die Verbreitung und Nutzbarmachung von Erkenntnissen aus der modernen Hirnforschung. Ich versuche als „Brückenbauer“ zwischen wissenschaftlicher Forschung und gesellschaftlicher bzw. individueller Lebenspraxis tätig zu sein. Ziel meiner Aktivitäten ist die Schaffung günstigerer Voraussetzungen für die Entfaltung menschlicher Potenziale, speziell im Bereich Erziehung und Bildung sowie auf der Ebene der politischen und wirtschaftlichen Führung.

In meiner Arbeit als Hirnforscher möchte ich komplexe wissenschaftliche Sachverhalte in einer Weise darstellen und sie so zu „übersetzen“, dass sie auch von „neurobiologischen Laien“ verstanden werden, ohne die Komplexität der im Gehirn ablaufenden Prozesse dabei in einer Weise zu vereinfachen, die zu missverständlichen Simplifizierungen führt oder den ohnehin noch immer weit verbreiteten biologistischen und mechanistischen Vorstellungen Vorschub leistet.
Ein Beispiel hierfür ist das mit der Medienpädagogin Inge Michels verfasste Kinderbuch „Gehirnforschung für Kinder. Felix und Feline entdecken das Gehirn“.
Neben der Vermittlung von Sachwissen geht es mir immer um das Anregen der eigenen Vorstellungskraft, um das Wecken der Freude am eigenen Entdecken, an der Transformation von abstraktem Wissen in eigene Erkenntnis bei meinen Lesern und Zuhörern.
Ich möchte die Leser meiner Bücher und Texte wie auch das Auditorium bei meinen Vorträgen, Rundfunk- und TV-Beiträgen, einfühlsam dort abholen, wo sie sind, sich in deren jeweiligen Erkenntnisstand und deren Interessenslage einfühlen und sie auf diese Weise einladen, zu ermutigen und zu inspirieren, sich auf einen eigenen Erkenntnisprozess einzulassen. Es soll nicht belehrt werden, oder auch nicht der neuste Stand der Forschung verkündet werden, sondern den Lesern und Zuhörern für sie brauchbare und interessante Anknüpfungspunkte bieten, die es ihnen ermöglichen, eigene neue Erkenntnisse auf der Grundlage ihres bisherigen Wissens und ihrer bisher gemachten eigenen Erfahrungen abzuleiten.


Wen ich erreichen möchte

Leser und Zuhörer aus allen Schichten der Bevölkerung sollen für die neuen Erkenntnisse der Hirnforschung begeistert werden. In Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops versuche ich diesem nachzukommen, so gut es meine universitären Verpflichtungen und Forschungstätigkeit zulassen.

Bei meiner Darstellung und Vermittlungen neurowissenschaftlicher Erkenntnisse und dem Herausarbeiten der Implikationen dieser Erkenntnisse für die Lebenspraxis wende ich mich neben Führungskräften aus Politik und Wirtschaft auch all jene gesellschaftlichen Kräften zu, die sich um das bemühen, was für eine Kultur des Zusammenlebens und der Entfaltung menschlicher Potenziale zumindest ebenso wichtig ist: das gemeinsame Singen, Tanzen, Spielen, Lesen, Märchenerzählen, gemeinsame Naturerfahrungen und die Entdeckung des eigenen Körpers durch Bewegung, Sport und durch körperorientierte psychotherapeutische Interventionen.
( siehe als Beispiele die Beiträge zum Singen, zur Bewegung und zum Märchenerzählen)


Was mir wichtig ist

Diese Aktivitäten machen auch deutlich, worum es mir in erster Linie geht und worum ich mich in besonderer Weise bemühe: Um die Schaffung von Bedingungen, die Menschen und hier insbesondere Kinder und Jugendliche in die Lage versetzten, die in ihnen angelegten Potenziale zu entfalten.
Ich bezeichne dies „Applied Neuroscience“ und bin aufgrund meiner eigenen Forschungstätigkeit und der in den letzten Jahren gewonnenen Erkenntnisse der Neurobiologen davon überzeugt, dass die praktische Umsetzung dieser Erkenntnisse nur in einem dafür günstigen sozialen Umfeld gelingen kann. Die wichtigsten Erfahrungen, die Menschen machen, und die in ihrem Gehirn in Form komplexer Vernetzungsstrukturen im Gehirn verankert werden, sind soziale Erfahrungen. Das menschliche Gehirn ist ein durch soziale Beziehungserfahrungen strukturiertes Konstrukt. Am deutlichsten habe ich das in meinem jüngsten Buch „Wer wir sind und wer wir sein könnten“ und in dem Sachbuch „Männer. Das schwache Geschlecht und sein Gehirn“ herausgearbeitet.

Ich bemühe mich sehr um die Verbesserung von sozialen Beziehungen und die Schaffung einer Beziehungskultur, die es Menschen ermöglicht, die in ihnen bzw. in ihrem Gehirn angelegten Potenziale auch wirklich zu entfalten. Mehr zu diesem Thema finden Sie in meinen Büchern: Connectedness – Warum wir ein neues Weltbild brauchen (Huber-Verlag) und „Kommunale Intelligenz: Potentialentfaltung in Städten und Gemeinden (Edition Körber-Stiftung).
Im Zentrum dieser Bemühungen stehen auch meine Aktivitäten als wissenschaftlicher Berater für verschiedene Institutionen, Organisationen und Vereine sowie meine Arbeit innerhalb von Initiativen.


Meine Kernbotschaft

Aufgrund der langjährigen Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Entwicklungsneurobiologie versuche ich zu beschreiben, dass die Expression der genetischen Anlagen des Menschen zunächst zur Herausbildung eines Überangebots neuronaler Vernetzungsmöglichkeit im sich entwickelnden Gehirn führt und dass anschließend von diesem Überangebot nur diejenigen Verschaltungsmuster stabilisiert werden, die im Verlauf der prä- und postnatalen Entwicklung besonders häufig aktiviert werden. Das Konzept der nutzungsabhängigen Plastizität („experience dependent plasticity“) impliziert, dass die Strukturierung des menschlichen Gehirns im hohen Maß durch die individuellen Erfahrungen gelenkt wird, die ein Mensch insbesondere während dieser Phase neuronaler Ausreifungsprozesse in seinem jeweiligen sozialen und kulturellen Umfeld macht, zu machen Gelegenheit hat oder zu machen gezwungen ist. Nur unter entsprechend günstigen Rahmenbedingungen kann das anfänglich angelegte Potenzial auch weitgehend genutzt und in Form entsprechend komplexer neuronaler Verschaltungsmuster stabilisiert werden. Unter weniger günstigen Bedingungen kommt es zur Stabilisierung einfacherer aber dafür robusterer Verschaltungsmuster und damit zur Verbesserung einzelner Teilleistungen auf Kosten von Komplexität und Kohärenz, oder einfacher ausgedrückt: zu einer Kümmerversion dessen, was aus diesem anfänglichen Potenzial hätte werden können. Um es Menschen in Zukunft zu ermöglichen, ihre Potenziale optimaler zu entfalten, müssen dafür günstigere Rahmenbedingungen geschaffen werden, muss eine auf Potenzialentfaltung ausgerichtete Beziehungskultur in Familien, Kindergärten, Schulen, Universitäten, im Berufsleben, und nicht zuletzt in den Kommunen entwickelt werden. Damit ist grob umrissen, worum es mir in meinen öffentlichen Aktivitäten geht. Ich möchte die Erkenntnisse über die Plastizität des menschlichen Gehirns anbieten, als Hilfe zur Selbsterkenntnis und zur bewussten Gestaltung und Weiterentwicklung der von Menschen auf der Grundlage ihrer jeweiligen Erkenntnisse bisher geschaffenen Lebenswelten.


Auf welchen Wegen ich Menschen zu erreichen versuche

Für diese „Aufklärungsarbeit“ benutze ich das ganze Spektrum von Kommunikationsmöglichkeiten. Dazu zählen Sachbücher, wenn es um grundsätzliche Themen geht, als Alleinautor, wenn es um die Verknüpfung mit Themen aus anderen Bereichen, wie Erziehung, Bildung und Persönlichkeitsentwicklung geht, in Coautorschaft mit Wissenschaftlern oder Praktikern aus diesen Gebieten, oder auch zahlreiche Buchbeiträge in Herausgeberbänden, Lehr- und Sachbüchern für unterschiedliche Zielgruppen, vor allem Psychotherapeuten und Pädagogen, aber auch Sozialarbeiter, Organisationsberater oder Mediziner. Ich verfasse Beiträge und Interviews für Zeitschriften, für Magazine und Tageszeitungen, oder bin als Gesprächspartner in Radiosendungen und TV-Produktionen zu Gast, halte Vorträge und gestalte Seminare und Workshops auf Kongressen, in Bildungseinrichtungen und für Wirtschaftsunternehmen.
Allerdings habe ich auch erkannt, dass die bloße Kommunikation, die populärwissenschaftliche Darstellung von neurobiologischen Erkenntnissen und Befunden allein nicht ausreicht, um Menschen einzuladen, zu ermutigen und zu inspirieren, sich auf neue Erfahrungen einzulassen und neue, für die Entfaltung ihrer Potenziale günstigere Haltungen und Einstellungen zu entwickeln.
Deshalb bemühe ich mich im Rahmen meiner Aktivitäten in der neurobiologischen Präventionsforschung und als Initiator und Begleiter von Projekten darum, deutlich zu machen, wie sich neurobiologische Erkenntnisse praktisch umsetzen lassen. Hierzu zählt u. a. das von der Sinn-Stiftung im Sommer 2009 realisierte Interventionsprogramm „via nova“ für Kinder mit sog. Aufmerksamkeitsstörungen und Störungen des Sozialverhaltens, das Programm der Stiftung Kinderland „Medienpädagogik in Kindergärten“, die Initiative „Kulturwandel in Unternehmen und Organisationen“ und das Bildungsprogramm des Thüringer Kultusministeriums „Neue Lernkultur in Kommunen (NELEKOM).

In all diesen Projekten geht es mir darum, exemplarisch zu zeigen, dass nachhaltige Veränderungsprozesse auf der Ebene sozialer Beziehungen möglich sind, wenn es gelingt die betreffenden Menschen einzuladen, zu ermutigen und zu inspirieren, sich auf neue Erfahrungen im Umgang mit sich selbst und mit anderen einzulassen.


Mein Fundament

Das innere Gerüst meines Denkansatzes ist eine solide Ausbildung als Biologe mit dem Schwerpunkt Tierphysiologie und einer im Rahmen meiner Promotion erfolgten Spezialisierung in Neurobiologie. Danach experimentelle Arbeiten am Nervensystem von Insekten und anschließend, nach meiner Flucht aus der DDR, tierexperimentelle Untersuchungen zur Beeinflussbarkeit der Hirnentwicklung durch metabolische und äußere Rahmenbedingungen am MPI für experimentelle Medizin in Göttingen. Dabei im Rahmen des SFB 33 auch tierexperimentelle Studien über den Einfluss nutritiver Faktoren auf die Ausreifung und Funktion des Gehirns. Danach, als Heisenberg-Stipendiat der DFG, Untersuchungen zur Modulation der Ausreifung und der Funktion monoaminerger Systeme und zu den Auswirkungen psychischer Belastungen auf die Hirnentwicklung. Und nach dem Aufbau einer Abteilung für neurobiologische Grundlagenforschung an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen, beschäftigte ich mich mit Untersuchungen über die Wirkungsmechanismen psychopharmokologischer Behandlungen und den Einfluss von Psychopharmaka auf die Ausreifung monoaminerger Systeme während der Hirnentwicklung.
Und schließlich, bis zum Beginn der neurobiologische Präventionsforschung bildeten Untersuchungen zum Einfluss von Angst und Stress auf die Ausreifung und die Strukturierung des Gehirns Schwerpunkte meiner wissenschaftlichen Arbeit.
Aber erst aus der Zusammenschau meiner eigenen Forschungsergebnisse und der von anderen Neurobiologen gewonnen Erkenntnisse war ich in der Lage, meine populärwissenschaftlichen Aktivitäten auf der Grundlage eines soliden Fundaments neurowissenschaftlicher Erkenntnisse in der hier geschilderten Weise zu entfalten.


Anmerkung


Wenn man wie ich in der Öffentlichkeit steht und bisweilen unbequeme Dinge sagt, gibt es immer den ein oder anderen, der - wenn die Argumente ausgehen - mit Behauptungen daher kommt. Um es an dieser Stelle noch mal deutlich zu machen: NEIN - ich habe keine Verbindungen zu Scientology oder irgendeiner anderen Sekte, noch sympathisiere ich mit irgendwelcher dieser Gruppen.

Und wenn ich an irgendwelchen Stellen irrtümlich auch einmal als Mediziner oder Psychiater bezeichnet werde, so wissen Sie jetzt, dass ich natürlich „nur“ ein Biologe und Hirnforscher bin. Irrtümer sind menschlich und deshalb ärgere ich mich auch nicht darüber, wenn ich einmal falsch dargestellt werde. Rückgängig machen kann ich dies ohnehin nicht mehr, vor allem in Zeiten des Internet.

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